René Schickelé wurde 1883 in Obernai im damals unter deutscher Herrschaft stehenden Elsass geboren und verkörpert eine Identität, die von der bewegten Geschichte zwischen Frankreich und Deutschland geprägt ist. Nachdem er 1932 von der Nazi-Presse als Pazifist angegriffen und anschließend zensiert worden war, ließ er sich mit seiner Frau Anna in Sanary nieder, wo er sein militantes literarisches Werk fortsetzte. In den Jahren 1932/1933 verfasste er seine „Cahiers bleus” (Blaue Hefte), eine politische Chronik, die von seiner Weitsicht hinsichtlich des Aufstiegs des Nationalsozialismus zeugt, und veröffentlichte 1934 seinen Roman „La veuve Bosca” (Die Witwe Bosca), in dem er Sanary und die provenzalische Landschaft in den Vordergrund stellt. Im selben Jahr verlässt er Sanary und zieht nach Nice-Fabron, kehrt aber oft zu Besuch zurück. Er stirbt 1940 in Vence.

Als Sohn einer Winzerfamilie aus Mutzig (Bas-Rhin) und einer französischsprachigen Mutter aus dem Territoire de Belfort verkörpert er die doppelte kulturelle Zugehörigkeit des Elsass. Hin- und hergerissen zwischen seinen beiden Herzensländern, kann sich René Schickele bei Ausbruch des Krieges 1914 nicht für eine Seite entscheiden. Er geht daher ins Exil in die Schweiz, die neutral geblieben ist. Nach dem Krieg ließ er sich in Badenweiler im Schwarzwald nieder. Nach der Rückkehr des Elsass zu Frankreich wurde er Franzose, blieb aber deutschsprachig. Dennoch wurde er in Deutschland anerkannt und neben großen Schriftstellern seiner Zeit in die Deutsche Akademie in Berlin gewählt. Er bezeichnete sich selbst als französischen Staatsbürger und deutschen Dichter.

1932 zieht er auf Anraten seines Arztes wegen seines Asthmas und Rheumatismus in den warmen Süden. Auch bewegt ihn seine dichterische Weitsichtigkeit früh- und rechtzeitig zum Verlassen Deutschlands: Hitler steht vor den Toren! Auf Empfehlung seines Freundes Julius Meier-Graefe, bei dem er einige Zeit in St. Cyr verbringt, lässt er sich mit seiner Familie in dem kleinen ruhigen und kostengünstigen Fischerort Sanary nieder. Von 1932 bis 1934 mieten Schickeles die Villa „La Ben Qui Hado“. Sie liegt auf einer Anhöhe über dem Ort mit Blick auf das Meer, nur zehn Minuten Fußmarsch vom Hafen und seinen Cafés entfernt.

Sohn Hans geht gern zum Philosophie-Unterricht in seinem neuen Toulonner Gymnasium, René ist von Landschaft und Klima begeistert. Er kommt gut mit seinem neuen Roman „die Witwe Bosca“ weiter, in welchem er die provenzalische Landschaft inszeniert. Es kommen allerdings Geldsorgen auf und die zunehmende Anzahl der deutsch-sprachigen Emigranten nach Hitlers Machtübernahme und der Bücherverbrennung in Deutschland stören ihn. Die Familie muss in ein kleineres Haus umziehen, es erweist sich jedoch als feucht und laut Schickele als „Asthmahöhle“. Schließlich entscheiden sie sich für den Umzug nach Nizza-Fabron. Trotzdem verlässt René Schickele Sanary mit Bedauern. Man hat ihnen dort ein großes günstiges Haus angeboten, welches sie mit ihren Möbeln aus Badenweiler einrichten können.

Im Jahre 1938 schreibt René Schickele seinen ersten Roman in französischer Sprache „Le Retour“. Die deutsche Übersetzung bringt er im Jahr darauf unter dem Titel „die Heimkehr“ heraus. Mittlerweile bewohnt die Familie ein schönes provenzalisches Haus in Vence, bevorzugter Aufenthaltsort der Maler und Lungenkranken. Anfang 1940 erkrankt René an einer starken Grippe, eine Rippenfellentzündung kommt noch hinzu. Bis zu seiner letzten Stunde liest und schreibt er, aber sein vom jahrelangen Asthma geschwächtes Herz, kann keinen Widerstand mehr leisten. René Schickele stirbt am 31. Januar 1940 in Vence. Seinem Wunsch entsprechend wird seine sterbliche Hülle am 30. April 1956 nach Badenweiler-Lipburg auf den dortigen Friedhof überführt.


Die Mediathek Jacques Duhamel in Sanary-sur-Mer bietet eine Sammlung von Büchern zum Thema Erinnerung an das Exil in Sanary.